Freitag, 27. März 2009

Im Exil des Dalailama

Nach meinem letzten Post in Amritsar vor 3 Tagen, bin ich abends noch an den einzigen indisch-pakistanischen Grenzuebergang nach Attari gefahren. Dort findet jeden Abend eine Zeremonie fuer das Schliessen der Grenze fuer die Nacht statt. Dabei stolzieren die indischen und pakistanischen Grenzposten mit albernen Uniformen und viel zu hohem Schritt vor dem Tor herum bis auf beiden seiten die Fahnen heruntergelassen werden. Das ist allerdings im geringsten nicht das merkwuerdigste an dieser surrealen Zeremonie. Jeden Tag versammelt sich naemlich auf beiden Seiten eine riesige Menge an "Fans", die jeweils ihre Seite in einem extra dafuer drumherum gebauten Amphitheater anfeuern. Auf unserer Seite wurde unter anderem "Hindustan!! Zindabad!!" (long live India) gegroehlt und es gab extra Lautsprecher, um die Sprechchoere zu starten (wie im Fussballstadion). Ich wusste nicht, ob ich anfangen sollte zu lachen oder zu weinen..
Das Verhaeltnis zwischen Indien und Pakistan ist nach wie vor wirklich sehr angespannt und ein kleiner Funken koennte den Konflikt wieder zum brennen bringen. Nach der Zeremonie wurde ich von 5 sehr gastfreundlichen Sikhs nach Hause gefahren, die meinten, dass alle Pakistanis boese und Terroristen waeren. Da gibt es wirklich noch viel Nachholbedarf!
Fuer die Nacht hatte ich geplant im Golden Temple-Komplex zu uerbernachten, denn es gibt dort grosse Schlafsaele, in denen man umsonst uebernachten kann. Das ist der gastfreundlichkeit der Sikh-Religion zu verdanken. Fuer Europaeer gab es einen separaten Bereich und ich konnte meinen Augen so was von nicht trauen, als ich die sauberen Duschen und Toiletten sah. Wirklich einmalig!
Abends hab ich mir den Golden Temple nochmal im dunklen angeschaut und ich glaube das Bild ist es Wert hochgeladen zu werden auch wenn es beim letzten Mal schon ein Bild vom Golden Temple gab.
Zusaetzlich zu den gratis Schlafplaetzen gibt es auch noch gratis Essen. Zu jeder Tageszeit kann man in der riesigen Dining-Hall vorbeischaun und sich mit Dhal, Reis, Kartoffeln und Chapati vollstopfen. Das ganze ist wirklich sehr toll und organisiert gemacht. Man stellt sich in einer Schlange an und bekommt Teller, Schuessel und Loeffel in die Hand gedrueckt.
Dann geht es weiter durch das Tor der Dining-Hall und man wird in langen Reihen gegenueber auf den Boden gesetzt. Durch die Reihen laufen dann Verteiler mit Eimern voll Essen und Getraenken.
Ich hab zusammen mit irgendwelchen Fremden Indern gegessen aber es war ein tolles Gefuehl dieses Mahl zu teilen. Ausserdem haben sich meine "Tisch"nachbarn natuerlich ueber mich amuesiert und alle haben gelacht, als ich das Chapati falsch ins Dhal getaucht habe.
Alles schoen und gut, aber jetzt noch das tollste an der Sache: Das Essen war echt lecker! Gut gewuerzt und nicht waessrig..

Amritsar hat mir insgesamt wirklich sehr gut gefallen und die Sikhs sind sehr gastfreundliche Menschen. Ausserdem sehen sie mit ihren Turbanen und Baerten sehr laessig aus :P

Vorgestern war dann wieder ein Reisetag fuer mich und ich bin mit Bus und Bahn in die Berge nach Dharamshala gefahren. Die Auslaeufer des Himalaya fangen hier an und ich war sehr aufgeregt als ich erste weisse Berge am Horizont gesehen habe. Das hoechste Gebirge der Welt so nah! Dazu kommt die frische Luft und das kuehlere Klima, was mir schon einen kleinen Vorgeschmack auf deutsche Verhaeltnisse gibt. Ich geniesse es hier sehr!
Eigentlich ist der Dalailama aber nicht in Dharmshala, sondern in einem kleinen Dorf in der Naehe mit Namen Mcleod Ganj. Auf der Strasse sieht man ueberall chinesisch aussehende Menschen, darunter viele buddhistische Moenche in ihren rot-orangenen Kutten. Zusaetzlich zu den Tibetern hat sich hier aber noch eine andere Gruppe von Menschen ein zu Hause gesucht: Westliche Touristen. Das deutlichste Zeichen dafuer sind die unzaehligen Hotels, Souvenirshops und westlichen Restaurants. Hier allerdings kommen auch noch die vielen pro-Tibet Plakate an jeglichen moeglichen freien Flaechen dazu.
Als ich hier ankam hat mich das alles erstmal eher abgeschreckt. Ich dachte:" Och nee, die ganzen "coolen" Alternativen machen hier einen auf buddhistisch und free Tibet!" Natuerlich ist das ein Stueck weit richtig. Allerdings muss man sagen, dass den Tibetern wirklich sehr sehr boese mitgespielt worden ist. Ich habe heute das Tibet Museum im Tempelkomplex besucht und es war schrecklich zu hoeren, wie die Chinesen mit ihrer "kulturellen Revolution" die tibetische Kultur und das tibetische Volk ausrotteten. 1,2 Millionen Menschen sind seither gestorben und unzaehlige mehr heimatlos gemacht worden. Und nach wie vor werden die Menschrechte von China nicht befolgt und es gibt keinen Staat Tibet. Ein weiterer grosser Missstand auf dieser Welt fuer den es sich auf jeden Fall einzusetzen lohnt!

In einer Stunde kommt mein Bus nach Delhi und von da werde ich dann morgen weiter nach Faridabad fahren. Dort wird dann gepackt und Abschied von Familie Bandhu und den anderen Volunteers gesagt.
Das wird wohl mein letzter Post aus Indien gewesen sein. Ich freu mich schon soo euch alle in Deutschland wiederzusehen!

1 Kommentar:

  1. Hi Berni!

    Wir waren gerade in Slumdog Millionaire. Ein wirklich guter Film. Wir können uns jetzt Indien besser vorstellen.

    Am Montag soll es endlich warm werden. Pünktlich zu Deiner Rückkehr :-)

    Wir freuen uns, wenn Du endlich wieder zu Hause bist und wünschen eine gute und sichere Reise.

    Ciao

    Vati & Mutti

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